Mirna Bamieh beschäftigt sich mit der Politik des Verschwindens und dem Entstehen von Erinnerung – beides eng verbunden mit ihrer eigenen Geschichte und Herkunft als Palästinenserin. Sie untersucht, wie Lebensmittel, Kochrezepte und Essgewohnheiten nicht nur Ausdruck persönlicher Realitäten sind, sondern auch Spiegel politischer und gesellschaftlicher Veränderungen. Die sinnliche Sprache des Essens wird bei ihr zu einem Medium der Erinnerung, des Widerstands und des Geschichtenerzählens.
«Potato Talks» ist ein Performance-Projekt, das den einfachen Akt des Kartoffelschälens in eine Plattform für gemeinschaftlichen Austausch verwandelt. Eine Gruppe von Geschichtenerzähler*innen lädt Passant*innen zu einem direkten Gespräch ein, während gemeinsam eine Kartoffel geschält wird. Das Knollengemüse wird in vielen unterschiedlichen Kulturen und Küchen verwendet; entsprechend vielfältig sind die Erzählungen, die sich damit verbinden. Das Projekt zelebriert das Gewöhnliche und schafft Räume für Begegnung. Geschichtenerzähler*innen und Publikum kommen durch eine intime, alltägliche Handlung zusammen und teilen persönliche wie kollektive Erzählungen. Mit jeder Aufführung verwandelt «Potato Talks» den öffentlichen Raum in eine gemeinsame Küche, ein Ort, an dem Geschichten brodeln und aufeinanderprallen. Essen hat viel mit der Idee von Heimat und Zuhause zu tun: Durch Geschmäcker, Düfte, Familienrezepte und Essensrituale können Menschen, die ihr gewohnte Umgebung verlassen mussten, ein Gefühl des Vertrauten bewahren und ihre Präsenz in Zeiten der Unsichtbarkeit bekräftigen – ein Gedanke, der angesichts aktueller Erfahrungen von Vertreibung, Krieg und Unsichtbarkeit besondere Dringlichkeit erhält. «Potato Talks» zeigt, dass selbst in den kleinsten Gesten unendliche Möglichkeiten für Verbindungen und Veränderungen liegen.
Was passiert hier genau:
Eine Gruppe von Geschichtenerzähler*innen sitzt auf einem Platz, der sonst für Wochenmärkte genutzt wird. Ihnen gegenüber stehen leere Hocker für Passant*innen. Wer verweilt, wird zu einem Gespräch eingeladen – und schält mit dem Gegenüber eine Kartoffel. Zum Schluss werden die geschälten Kartoffeln vor Ort gekocht und gemeinsam gegessen. Das Rezept dafür liefert die Künstlerin.
Termine & Orte
Sonntag, 7. Juni · 14.30–17.30 Uhr · Bürkliplatz
Samstag, 27. Juni · 17.30–20.30 Uhr · Helvetiaplatz
Samstag, 4. Juli · 14.30–17.30 Uhr · Marktplatz Oerlikon
Besucher*innen sind eingeladen, teilzunehmen.
Spontanes Mitmachen möglich, ohne Anmeldung.
Witterungsabhängig. Programm kurz vor dem Termin prüfen.
Foto Credit: ©Caroline Minjolle, «Potato Talks» im Kunsthaus Zürich
