About
«The Zurich Archipelago – Recreating Common Grounds»
Kuratiert von Mirjam Varadinis
Wir leben in einer spannungsgeladenen Zeit, in der gesellschaftliche Spaltungen immer deutlicher werden. Populistische Bewegungen und identitäre Ideologien gewinnen in vielen Ländern an Einfluss und führen zu Ausgrenzung und Konflikten. Wie können Räume entstehen, die die Möglichkeit bieten, sich Gemeinsamkeiten zu erinnern bzw. diese neu zu finden? Kunst hat das Potenzial, unterschiedliche Menschen zusammenzubringen. «The Zurich Archipelago – Recreating Common Grounds» lotet dieses Potenzial aus und lädt das Publikum dazu ein, aktiver Teil der Kunstwerke und eines gemeinschaftlichen Prozesses zu werden. Das performative Kunstfestival im öffentlichen Raum findet vom 6. Juni – 12. Juli statt und verteilt sich als Archipel künstlerischer «Inseln» über mehrere Orte im Stadtraum.
Eine wesentliche Inspirationsquelle für das kuratorische Konzept von «The Zurich Archipelago» war der karibische Dichter, Denker und Philosoph Édouard Glissant (1928-2011). In seinen Schriften ist der Archipel ein zentrales Bild und weit mehr als eine geografische Inselgruppe. Es ist eine metaphorische Figur, die er der Idee des «Kontinents» gegenüberstellt. Der Kontinent steht bei Glissant für Einheit, Zentralismus und Geschlossenheit, wie sie in westlich-europäischem Denken, Kolonialismus und Nationalismus vorherrschen. Der «Archipel» dagegen symbolisiert Vielheit, Offenheit und Bewegung. Die Inseln eines Archipels sind getrennt und zugleich verbunden, sie stehen in Relation zueinander, ohne sich zu einem festen Ganzen zu verschmelzen – ein Prinzip, das sich in der dezentralen Struktur des Kunstfestivals widerspiegelt.
Die Idee von Austausch und Bewegung zeigt sich auch in den performativen und prozesshaften Formaten von «The Zurich Archipelago», die oft im Kollektiv geschaffen werden und das Publikum direkt miteinbeziehen. Die Werke kommen und gehen – ähnlich wie die Wellen, die die Inseln eines Archipels umspülen.
Die künstlerischen Beiträge verteilen sich auf verschiedene ‘Inseln’ im Stadtraum, wobei an zwei Orten mehrere Werke zusammenkommen: einerseits im Platzspitzpark hinter dem Nationalmuseum und im Arboretum beim Bürkliplatz am See.
Der Platzspitz ist eine der ältesten und geschichtsträchtigsten Grünanlagen in Zürich. Seit über 450 Jahren existiert der als Insel angelegte Park zwischen den beiden Flüssen Limmat und Sihl. Im Laufe der Jahrhunderte durchlief der Park eine bewegte Geschichte: von den Anfängen zu Zeiten des Spätbarocks über den Bau des Hauptbahnhofs und der Eröffnung der ersten schweizerischen Landesausstellung mit dem Landesmuseum im 19. Jahrhundert bis hin in die 1980er Jahre, als die Anlage traurige Berühmtheit als «Needle Park» erlangte. Heute hat sich der Park als Treffpunkt verschiedener Communities etabliert.
Das Arboretum war ursprünglich als traditioneller Park geplant, wurde dann aber durch das Engagement renommierter Experten zu einer botanischen Schatzkammer erweitert. Sie wollten Schönheit und Wissenschaft verbinden und stellten sämtliche Bäume der Parkanlage nach geografischen, systematischen oder geschichtlichen Kriterien so zusammen, dass ein Arboretum – eine Baumsammlung – entstand. Während die Baumvielfalt an Glissants Idee von Diversität erinnert, bietet die Anlage auch Gelegenheit, das westlich-akademische Denken kritisch zu hinterfragen und Raum zu schaffen für andere Formen von Natur-Mensch-Beziehungen
Mit Arbeiten von Britto Arts Trust, Akosua Viktoria Adu-Sanyah, Mirna Bamieh, Sandra Knecht, Regal Michell / Meret Wandeler, Uriel Orlow, Reto Pulfer, Marion Strunk und Hulda Zwingli.
Organisation
«The Zurich Archipelago – Recreating Common Grounds» ist ein Projekt der Stadt Zürich, Kunst im öffentlichen Raum (KiöR) und wird kuratiert von Mirjam Varadinis.
Besuch & Teilnahme
Laufzeit: 6. Juni – 12. Juli 2026
Ort: verschiedene Standorte in Zürich
Eintritt: frei
Die Ausstellung ist frei zugänglich und im öffentlichen Raum erlebbar. Viele Formate laden ausdrücklich zur Teilnahme ein – etwa durch gemeinsames Kochen, Gespräche oder kollektive Aktionen.
Einige Arbeiten sind über die ganze Laufzeit zugänglich, andere finden als zeitlich begrenzte Performances oder Veranstaltungen statt.
Aktuelle Termine und Details sind in der Agenda zu finden.
Awareness
Willkommen auf dem Archipelago
Das Kunstfestival «The Zurich Archipelago – Recreating Common Grounds» möchte Orte der Begegnung schaffen – durch gemeinsames Kochen, Essen, Stricken, Zuhören oder Performen. Damit dieser Raum für alle offen und bereichernd ist, teilen wir einige Grundsätze.
Wie wir miteinander umgehen
Wir begegnen einander mit Neugierde, Offenheit und Respekt – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, körperlichen Fähigkeiten, Sprache oder Lebensweise. Diskriminierung, verbale und körperliche Gewalt haben hier keinen Platz.
Ein «Nein» ist ein «Nein». Im Gespräch, beim gemeinsamen Essen, beim Mitmachen. Wir müssen nichts tun, was wir nicht möchten.
Die Kunstwerke, Installationen und Performances verdienen Sorgfalt und Respekt – auch wenn sie zum Mitmachen einladen.
Wenn du mitmachst: Die Teilnahme an Performances und gemeinsamen Tätigkeiten beruht auf gegenseitiger Achtsamkeit. Interaktionen und Berührungen geschehen nur, wenn sie von allen Seiten gewollt sind.
Wenn etwas nicht stimmt
Unser Team ist für dich da – erkennbar an den blauen T-Shirts mit der Aufschrift «The Zurich Archipelago». Sprich uns an, wenn du dich unwohl fühlst oder etwas beobachtest, das nicht in Ordnung ist.
Dank
Köch*innen u. Communities
Alba Chantico Ledesma, Maria del Mar, Maria Victoria, Pepa & Milovan, Cipriana und Jenny Stutz von Expotranskultur
Eirini Sourgiadaki, Daniel, Hiba Tahhan und das ganze Team von Mosaik
Silvana Lindt von Cuisine sans Frontières und ihren Köch*innen Dave Wälti und Anjum Amirtham
Sandra Knecht
Rebecca Clopath
Patrick Hari, hari.studio
Chaja Lang
Ana, Anas Finger Food
Andreas Hug, stir it up, Schweizerisches Rotes Kreuz
Nevin Hammad, Marwan El-Chami und Freunde, Freiwillige youngCaritas
Patrick Wirz, Studiyo Filipino
Sarah Reyes, coincoin.zurich, Studio Chou Chou
Achoo Kollektiv
Community Knitting
Handarbeitstreff Alter- und Pflegezentrum Grünhalde
Eva Torp und Petra Gibler vom Interkulturelles Kreativ Studio, Projekt von Solinetz und Reformierte Kirche Bullingerhaus
Die Bewohner*innen des Gesundheitzentrums Trotte
Stricktreff GZ Loogarten
Die strickenden Bewohner*innen des Alters- und Pflegezentrum Herrenbergli
Sabrina Schumacher Unterstützung beim ganzen Textilen und Durchführung der gemeinsamen Stricken und Häkelns
Alle Kunstschaffenden Britto Arts Trust, Akosua Viktoria Adu-Sanyah, Mirna Bamieh, Sandra Knecht, Regal Michell / Meret Wandeler, Uriel Orlow, Reto Pulfer, Marion Strunk und Hulda Zwingli